Warum ist das Wissen über Arzneimittelwechselwirkungen für jeden Arzt wichtig?

Arzneimittelkombinationen mit fünf oder mehr Arzneimitteln (WHO-Definition: bei ≥ 5 Medikamenten „Polypharmazie“, bei ≥ 9 Medikamenten „Exzessive Polypharmazie“) sind sehr häufig und auch notwendig im Behandlungsalltag, nicht zuletzt durch die Multimorbidität.

Mit steigender Anzahl an Arzneistoffen steigt jedoch das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) und Arzneimittelwechselwirkungen (unerwünschte Interaktionseffekte).

Bei 2 Medikamenten liegt das Interaktionsrisiko durchschnittlich bei 13%, bei 7 Medikamenten durchschnittlich bei 80% [Geisslinger G, Menzel S. Wenn Arzneimittel wechselwirken. Wichtige Interaktionen erkennen und vermeiden. 2017 Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart]

Die Erkenntnisfortschritte der vergangen Jahrzehnte haben dazu geführt, dass Arzneimittelwechselwirkungen nun weitgehend vorhersehbar sind. Die meisten wechselwirkungsbedingten UAW zählen daher heute zu den vermeidbaren Medikationsfehlern (und das ist u.a. haftungsrechtlich von Bedeutung).